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OKH-Sommerkonzert «Frauenpower»

Freitag, 14. Juni 2019, Johanneskirche Kriens

Von Anita Albisser

Reich beschenkt wurden alle, die am Abend des 14. Juni 2019 den Weg in die Johanneskirche fanden.

Das Orchester Kriens- Horw wartete diesmal mit weitgehend unbekannter Musik auf. «Zu Unrecht unbekannt», mag sich wohl so mancher Zuhörer im Nachhinein gesagt haben. Ja, komponierende Frauen hatten es schwer, ihre Werke verlegen zu lassen und zur Aufführung zu bringen. Dies vor allem auch im 19. Jahrhundert, als die Musik geschaffen wurde, die heute Abend in Kriens zu hören war.

Als neue Präsidentin des OKH begrüsste Irène Langensand das Publikum. Dass das heutige Konzert unter dem Motto «Frauenpower» (!) und der nationale Frauenstreiktag am selben Tag stattfanden, war ihren Worten zufolge reiner Zufall – mit weitreichender Bedeutung allerdings.

Irène Langensand hiess sodann den neuen Dirigenten des OKH willkommen: Gregor Bugar, der am Konservatorium Lugano Gesang studierte, im Tessin als Organist amtete und nun seine musikalische Ausbildung an der Hochschule Luzern in den Fächern Bratsche und Dirigieren weiterführt. Er komponiert auch und sammelte erste Orchestererfahrungen in verschiedenen Orchesterformationen der Schweiz.

Vom ersten Takt an vermochte der junge Dirigent sowohl das Orchester als auch das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Aufmerksam lauschten die Zuhörenden der wunderbaren, nie vernommenen Musik der vier Komponistinnen.

Von Alice Mary Smith (1839-1884, London) erklang das Andante für Klarinette und Orchester. Den Solopart übernahm Hannes Roesti, der in Kriens auch als Klarinettenlehrer wirkt. Mit sanglichem Ton fügte sich die Klarinette in die Tutti-Stellen ein und gestaltete die Solostellen in warmen, weichen Farben. Der souverän musizierende Solist, das subtile, präzise Zusammenspiel des Orchesters  (Konzertmeister: Matthias Aeschlimann) und die spürbare Musizierfreude ernteten begeisterten Applaus.

Auch im 2. und 4. Satz der Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 35 von Louise Farrenc(1804-1875, Paris) lotete das Orchester den lyrisch-dramatischen Spannungsgehalt aus. Gekonntes Kompositionshandwerk, transparente Behandlung der einzelnen Stimmen, solistische Einsätze wurden unter dem umsichtigen Dirigat von Gregor Bugar besonders herausgearbeitet.

Die Konzertouvertüre D-Dur von Elfrida Andrée (1841-1929, Visby/Göteborg) führte die farbige Klangpalette weiter. Dynamisch differenziert wurden romantische Klanglandschaften gestaltet. Eindrücklich auch hier die Bläsersoli mit ihren melodiösen Passagen.

Die Ouvertüre C-Dur von Fanny Hensel-Mendelssohn (1805-1847, Hamburg/Berlin) verlangt mit ihrer grossen Einleitung, dem freudigen Vorwärtstreiben, der aufwühlenden Dramatik den Spielenden einiges ab.  Das sinfonisch besetzte Orchester vermochte die Spannung zu halten und so das Konzert überzeugend zu beschliessen.

Lang anhaltender, herzlicher Beifall galt dem grossen Einsatz der Musizierenden und der engagierten, klaren Leitung ihres neuen Dirigenten. Während der Zugabe durfte man nochmals in den Genuss von Fanny Hensel-Mendelssohns Ouvertüre kommen.

Beim anschliessenden feinen Apéro, offeriert vom Orchester Kriens-Horw, waren sich wohl alle einig: Grossartige Musik – eindrückliche Leistung. Herzlichen Dank! …und ein zufällig aufgeschnappter Wunsch eines Anwesenden: Dem OKH möge ein Auftritt im Pilatussaal, dem neuen Krienser Konzertsaal, ermöglicht werden…

Der Konzertabend im voll besetzten Johannessaal fand unter dem Titel „Winterzauber“ statt und wurde eingeleitet  durch den 1. Satz («Der erste Schnee») aus der Sinfonie Nr. 11 op. 214 von Joachim Raff – es waren die ersten zaghaften Schneeflocken, die dem Hörer aus dem Orchester Kriens-Horw entgegenflogen. Auch der 2. Satz (Adagio) aus der Sinfonie Nr. 1 von Peter Tschaikowsky (sog. «winter dreams») brachte wehmütig-romantische Klänge, aber noch nicht den stürmischen Schneefall. Die zur Musik projizierten Aufnahmen von Schneesternen, fotografiert von Eric Albisser, fesselten den Blick mit ihren so mannigfaltigen sechszackigen Ausformungen. Und auf einmal war da rühriges Leben. Der «Snowman» von Howard Blake wurde geboren und verzauberte den ganzen Kirchensaal. Die Sprecherin (Theresa Limacher) erzählte zur Musik die Geschichte des kleinen Buben, der mit seinem Schneemann durch die Lüfte fliegt zum Schneemanntreffen mit dem Weihnachtsmann. Die wunderschöne Arie begleitete den Flug durch die Lüfte, gesungen von der Jungsopranistin Mael Lange. Die Begleitung am Flügel, von Anita Albisser zum ganzen Werk mit viel Gefühl gespielt, brachte die umfassende Harmonie, die in Verbindung mit zauberhaften Harfenklängen die Zuhörer in andere Sphären lockte.

Das Orchester hatte ungezählte Einsätze, die Sprecherin musste sich mit den Bildern und der Musik synchronisieren. Doch dies alles klappte so reibungslos, dass man als Zuhörer gleichsam auf Wolken schwebte. 

Schliesslich ging das Orchester temperamentvoll in die Schlussrunde mit Sleigh Ride von Leroy Anderson. Freude strömte in die Zuhörerschaft, Engagement und Einheit. Das Publikum wollte nicht mehr aufhören zu klatschen. Es war regelrecht mitgerissen worden.

Sven-David Harry, so hörte man dann zum Schluss, hatte heute zum letzten Mal das Orchester Kriens-Horw dirigiert. Die Ansprache der Präsidentin Eliane Müller drückte Dankbarkeit und Bedauern zugleich aus. Für Geduld, Unternehmungsgeist, Durchsetzungskraft und manches mehr bedankten sich sie Musizierenden bei ihrem Dirigenten mit einem Geschenkkarton. Weiter vernahm man auch, dass die Nachfolge bereits geregelt sei, doch vorgreifen wollte der Noch-Dirigent nicht.

Wir wünschen dem Orchester viele neue begeisterte Musikerinnen und Musiker (dringend gesucht!). Es macht auf jeden Fall Spass, im Verbund mit anderen Instrumentalisten die Welt mit Musik zu verwöhnen. Entsprechend begeistert und bereichert verliess das zahlreich erschienene Publikum den Johannessaal.